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.....Das Wasser glänzt auf ihrer Haut, die sich aufgrund des leichten Windes und der langsam aufkommenden Kühle des anbrechenden Abends zusammenzog und überall kleine, nicht einmal stecknadelgroße Erhebungen hinterließ. Sie bildeten ein Relief auf ihrer ansonsten ebenmäßigen Haut.

Der Mann, mit dem sie an den Strand gekommen war, lag auf einer Decke, ein Buch neben sich. Er betrachtete sie. Im Badeanzug aus der letzten oder vorletzten Saison, wie sie hinunter ans Meer geht, wie die Kälte des Wassers sie einen Augenblick lang innehalten lässt. Wie sie schließlich doch im Meer schwimmt, wie sie es besiegt hat - auch noch um diese Jahreszeit. Zeit zum Schwimmen ist fast immer - findet sie und gleitet elegant und sportlich mit ihrem langen, schlanken Körper zwischen den kleinen, an den Kämmen sich milchig weiß schäumenden, Wellen hindurch.

Jetzt, wo sie am Strand auf der Decke steht und sich abtrocknet und mit dem Handtuch immer wieder über ihre noch kalte Haut fährt, bis sie sich an einigen Stellen blau-rot färbt, sieht sie hinunter zu dem Mann, der sie die ganze Zeit über beobachtet hatte. Er hebt seine Hand und streicht ihr sanft am Bein entlang, aber noch hilft es nicht gegen die Kälte. Sein Blick wandert zu ihren Beinen, an denen sich die nachwachsenden dunklen Haare abzeichnen. Mit dem Rasieren ist sie nachlässig geworden - um diese Jahreszeit. Er mag das. Seine Hand fährt über die Haut. Sie lächelt. Sie schüttelt noch einmal das Wasser aus ihren langen, schweren, dunklen Haaren, ehe sie sich zu ihm hinunterbeugt, um ihn zu küssen.

Langsam sammeln sie die Gegenstände, die sie für ihren Strandbesuch mitgebracht hatten, ein. Die Tassen, die Teller, der Kuchen, der noch verbleibende Kaffeerest, das Buch, in dem niemand gelesen hat, alles verschwindet in der großen Tasche, die er ihr abgenommen hat, als sie vorhin runter zum Strand gegangen sind. Die Decke wird ausgeschüttelt. Es ist ihre Last, alles andere trägt er. Sie liegen im Sand und lachen. Über ihnen schreien ein paar Möwen, schreien sie vom Strand weg, fordern ihn zurück, nach einem so langen Tag, den die beiden zu Haus gemeinsam fortsetzen werden. Die freien Hände greifen ineinander. Die Kühle ist unwiderruflich geworden und kündigt den Abend an.

Die Geschichte von Steinen

- oder: was das Meer zu sagen hat ...

Das Haus ist eigentlich ein Schloss. Weite Zimmerfluchten, der Blick frei, eingefangen draußen von hohen, alten Bäumen, deren Kronen sich vor den Fenstern im Wind wiegen. Die Ahnung von einer anderen Zeit beschleicht den versunkenen Betrachter. Der Geruch des Hauses wechselt wie sein Gesicht. Er reicht von klamm und unbewohnt über den Duft von gerade abgeschlossenen Renovierungsarbeiten bis zu Staub, der in den frischen Räumen liegt.

Aus der Halle ertönen Klavierklänge. Jetzt gehe ich meine Zähne putzen, denke ich. Das Bad geht direkt von der unteren Eingangshalle ab. Ich putze mir die Zähne mit Musik. Ich fühle mich beschwingt. Das Wasser ist kalt, wie der Raum. Ich nehme es nicht mehr wahr.

"Hast du Geschichten mitgebracht?" Es ist eine Frage, die ich erwartet habe. "Nein, ihr kennt sie alle schon. Zwei neue gibt es, von deren Qualität ich aber noch nicht überzeugt bin", antworte ich. "Schade." "Ja, dass finde ich auch, vielleicht das nächste Mal." Geschichten aus Büttelkow, Geschichten vom Schloss, eine Story von Antje und Andreas, fortlaufend und möglichst oft.

Was ist zu sagen? Ich überlege. Wie kommen alle Eindrücke in einer Geschichte unter? Was für eine Geschichte ist das überhaupt und von wem wird sie handeln? Beschränke ich mich wieder auf zwei Figuren? Das ermöglicht eine einfache Struktur, aber gibt sie wieder was ich empfinde? Ich bin unentschlossen. Ich denke, diesmal wird es nichts mit einer einfachen Forsetzungsgeschichte, so gern ich auch möchte.

"Das Geländer vom Balkon ist gar nicht mehr richtig weiß, es vertrüge gut einen neuen Anstrich." Der dezente Hinweis ist an mich gerichtet und unmissverständlich. Dass ich den Balkon geweißt habe ist schließlich schon zwei Jahre her. Ich kenne diesen Teil der Familie bereits und so weiß ich, wie ich den Wink zu verstehen habe. "Das Thema in diesem Jahr heißt Stühle", entgegne ich. Wir lachen und sitzen gutgelaunt beim Frühstück auf der Terrasse, während die Hausherrin jede Gelegenheit ergreift, das Schloss seinem eigentlichen Zustand näher zu bringen. Diesmal besteht sie darin, dass die alten Fensterscheiben in die frisch gestrichenen Rahmen gekittet werden. Das Ergebnis ist überzeugend. Die Heimwerker sind bereits Profis geworden.

Im Haus zieht es. Es war das Fenster im Flur, das ausgebaut wurde. Trotz der Zügigkeit, mit der die Arbeit vorangeht, wird es noch fast zwei Wochen dauern, bevor das Fenster seiner eigentlichen Aufgabe wieder nachkommen kann und die Bewohner vor dem Wind schützt.

Klavierklänge im Parterre. Heute wird es aufregend. Ich werde nach dem Frühstück den Rasen mit dem Traktor mähen. Als ich am Abend im Bett liege, entdecke ich eine zweieinhalb Zentimeter große Brandwunde am Rücken. Die Wärmflasche, ohne die hier niemand abends ins Bett geht, muss sie mir heute Nacht zugefügt haben. Zum Glück nehme ich aber nicht nur sie mit nach Haus, sondern auch einen ganz besonderen Stein, der die Form eines Herzes hat und den ich am Strand gefunden habe.

Meine Gastgeberin fahndet nach dem Sinn, ich traue mich nicht, danach zu fragen und schaue aufs Meer hinaus. Der Geruch von Tank, das Geschrei der Möwen und das Donnern, mit dem die Wellen an diesem Tag auf den Strand aufschlagen, klingt in meinen Ohren, es findet einen Widerhall in meinem Körper in Form eines inneren Vibrierens und lässt mich dennoch ganz still werden. Das ist das Leben. Ich fühle es. Ich bin mit dem Meer verbunden, alle Einsamkeit ist verschwunden.

Ich wende den Kopf und sehe, dass meine Freunde sich interessiert über einen Fund beugen. Was mögen sie entdeckt haben? Welches interessante Accessoire hat das Meer preisgegeben und in die Hände dieser beiden gespült? Ich registriere die Distanz, die zwischen uns liegt, den Wind, der kühler geworden ist und die Zweisamkeit des Paares vor mir, das interessiert seine Köpfe über das Kleinod gebeugt hält. In der Tasche liegt der Stein in Herzform, der von meiner Hand, die ihn ganz umfängt, warm geworden ist. Was ist die Geschichte dieses Steines? Die Antwort wird er mir zu diesem Zeitpunkt noch vorenthalten, aber er lächelt warm in meiner Hand.